Archiv für das Tag 'Tagesschule'

Silvia Huber

Tagesstrukturen

Silvia Huber, Vorstandsmitglied glp Kanton Solothurn / glp Olten

Mit den partiell bestehenden Angeboten im Bereich Mittagstisch und Aufgabenhilfe beschreitet Olten den richtigen Weg, tut aber noch nicht genug. Unabhängig vom Ausgang der bevorstehenden Abstimmung und eines allfälligen kantonalen «Zustupfs» muss das bestehende Angebot rasch weiter ausgebaut werden.

Olten täte dann genug für Tagesstrukturen wenn diese an jeder Schulstufe eine Selbstverständlichkeit wären. Die Tagesstrukturen sollten für die Kinder die Möglichkeit umfassen, bereits ab ca. sieben Uhr in den Schulräumlichkeiten einzutreffen (und dieses nicht erst kurz vor Schulbeginn betreten zu dürfen), einen von pädagogisch geschultem Personal geführten Mittagstisch zu nutzen und professionelle Aufgabenhilfe in Anspruch zu nehmen – idealerweise direkt im jeweiligen Schulgebäude. Die Nutzung von Tagesstrukturen sollte dabei natürlich freiwillig bleiben, die daraus entstehenden Kosten von denjenigen Familien, die das Angebot in Anspruch nehmen, einkommensabhängig mitgetragen werden.

Warum plädiere ich für den Ausbau von Tagesstrukturen? Zum einen bieten sie Kindern, denen zu Hause nicht die erforderliche Unterstützung zu Teil werden kann, die unkomplizierte Möglichkeit, sich diese im gewohnten schulischen Umfeld holen. Zum andern sind sie ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor – es gibt unzählige gut verdienende und „bildungsnahe“ Familien die auf die Nutzung von Tagesschulen angewiesen sind und ihren Wohnort demzufolge ganz nach deren Standort ausrichten. Der Erfolg der privaten Tagesschulen in Schönenwerd und in Solothurn stellt die grosse Nachfrage unter Beweis.

Als allein Erziehende argumentiere ich hier natürlich auch auf der Basis persönlicher Erfahrung. Jahrelang lang zog sich die Suche nach einem guten Krippenplatz, nach einem guten Ganztageskindergarten und schliesslich nach einer guten Tagesschule wie ein roter Faden durch mein Leben. Einmal fand ich die Lösung in Zürich, dann wieder in Olten – und je nach dem verlagerte ich meinen Lebensmittelpunkt eben von der einen in die andere Stadt. Aufgrund fehlender Tagesstrukturen in öffentlichen Institutionen musste ich mich dabei mit einer kurzfristigen Ausnahme stets auf private Institutionen stützen. Ohne diese wäre es mir nicht möglich gewesen, einer ernsthaften beruflichen Tätigkeit nachzugehen, geschweige denn, mich beruflich weiterzuentwickeln. Wer nicht das Privileg einer guten Ausbildung, eines vernünftigen Einkommens und eines hilfsbreiten Umfelds hat, ist in so einer Situation schlicht gezwungen, Sozialhilfe anzunehmen. Mit dieser Sackgassenlösung ist weder dem oder der allein Erziehenden geholfen, noch der Gesellschaft.