03.07.2011
Kulturstadt Olten: Was muss die Stadt unternehmen um als solche wahrgenommen zu werden? Wie sieht für Sie die dafür notwendige Kulturförderung aus?
Ich muss die Frage gleich etwas relativieren: „Kulturstädte“, das sind Metropolen wie New York und Berlin, die auf einem bedeutenden künstlerischen und intellektuellen Erbe aufbauen, die neue Ideen und Tendenzen generieren und damit die internationale Kulturlandschaft prägen. Bei aller Liebe – das ist denn doch ein zu grosser Hut für unsere Stadt. Was nutzt das Prädikat „Kulturmetropole an der Aare“, wenn die damit verbundenen Erwartungen nicht erfüllt werden können? Ohne die Bedeutung von Kultur schmälern zu wollen – Olten als Kulturstadt positionieren zu wollen fände ich kontraproduktiv.
Die Positionierung als „Stadt mit Kultur“ hingegen trifft zu. Denn ohne zu übertreiben dürfen wir von Olten sagen: unsere Stadt verfügt über ein überraschend breites und ansprechendes kulturelles Angebot. In einem etwas weiter gefassten Kulturbegriff reicht das von der Badi und dem Beach Volleyball-Event über die Schützi, Färbi und neuerdings Cultibo bis hin zum Kunstmuseum und zu den Kabarettagen. Eine Vielfalt, die zeigt, wie lebendig Olten in vieler Hinsicht mittlerweile geworden ist und auch, dass es sich hier gut leben lässt. Wenn wir Olten richtig und nachhaltig positionieren wollen, sollten wir genau diese Botschaft nach aussen tragen, nicht mehr und nicht weniger. Denn eine starke Marke ist immer noch die, die hält was sie verspricht. Und wer weiss, womöglich übertreffen wir mit der Neugestaltung des Aareraums dieses Versprechen sogar bald noch: Olten, die lebendige Stadt am Wasser… Einen freundlicheren Zugang vom Bahnhof her zu schaffen, eine echte Flanier- und Verweilzone, das wäre etwas vom Vordringlichsten, was Olten meiner Meinung nach für sein Image tun sollte.
Aber wie auch immer: Ziel des Stadtmarketing muss es sein, Olten bei Unternehmen, Investoren und künftigen Einwohnern als das zu positionieren, was es ist: ein attraktiver Wohn- und Lebensraum. Als eine Stadt, die weit mehr zu bieten hat, als die zufällig strategisch günstige Lage zwischen den grossen Zentren Zürich, Basel und Bern. Um diese nachhaltige Positionierung Oltens zu unterstützen, sollte die städtische Kulturförderung darauf angelegt sein, ein möglichst abwechslungsreiches kulturelles Klima zu schaffen. Mit den zur Verfügung stehenden Fördergeldern sollte eine grosse Bandbreite an Projekten und Initiativen aus den unterschiedlichsten Kunst- und Kulturbereichen unterstützt werden, um möglichst vielen Einwohnerinnen und Einwohnern Berührungspunkte (und damit verbindende Momente) zu ihrer Stadt zu bieten. Ich selbst würde bei der Verteilung auch das persönliche Engagement der jeweils Beteiligten in die Waagschale werfen, damit Kulturförderung nicht zu reiner Kultursubvention verkommt.
