Christian Ginsig

Christian Ginsig
Mitglied Grünliberale Olten

Würde man die Vision Begegnungszone mit etwas Humor betrachten, liesse sich vermutlich das Stadthaus in eine Seilbahnstation umwandeln. Von Olten Südwest könnte man bequem und barrierenfrei in der 6er-Gondel bis zur Mittelstation Stadthaus über die Dächer von Olten schweben. Wer weiter fahren möchte, könnte sitzen bleiben und die Fahrt Richtung Bahnhof und Sälipark aufnehmen und an der Endstation Sälischlössli, dem neuen Ausflugsziel im Schweizer Mittelland aussteigen. Die Realisierung dieser vielleicht etwas verrückten Idee hätte den Vorteil, den in den Konzepten der Begegnungszone ausgewiesenen “Suchverkehr” nach Parkplätzen auf ein Minimum zu reduzieren, denn statt eines teuren Parkhauses in der Innenstadt, liessen sich Fahrzeuge bereits fernab auf einem grossen Parkplatz ausserhalb des Zentrums abstellen. Die Reise in die Innenstadt oder den Sälipark würde alleine schon der Fahrt wegen zum Einkaufserlebnis. Gleichzeitig liessen sich die Wohnquartiere «Chance Olten Ost» noch besser erschliessen und Olten wäre um eine Touristenattraktion reicher.

Soweit die Vision. In der Realität habe ich mich als Oltner an den grauen Betonklotz längst gewöhnt. Es wäre aber schön, wenn auch im Innern des Stadthauses etwas mehr Begegnungszone geschaffen würde. Offene Empfangsbereiche und einladende Büroräumlichkeiten für die Einwohnerkontrolle sind zwingend zu realisieren. Der Energiebedarf des heutigen Gebäudes muss durch den Einsatz energiesparender Isolierungen weiter reduziert werden. Damit käme der Oltner Stadtrat auch dann nicht ins Schwitzen, wenn dereinst die Umwandlung der Begegnungszone in eine autofreie Zone gefordert werden wird.

Das Stadthaus gehört zum Stadtbild und ich bin froh, dass der Stadtpräsident weit oben beim Blick auf die Stadt die Wünsche und Anliegen der Bewohner nicht aus den Augen verliert. Für die Vision der Begegnungszone hätte ich mir allerdings von den Verantwortlichen etwas mehr Mut und Weitsicht gewünscht. Die Idee einer belebten Innenstadt wirkt mutlos, wenn man sich die Realität des Projekts vor Augen hält. «In der Begegnungszone beträgt die Höchstgeschwindigkeit 20 km/h, die Fussgänger haben gegenüber dem Fahrzeugverkehr Vortritt. Sie können jederzeit und überall die Fahrbahn queren, dürfen jedoch die Fahrzeuge nicht unnötig behindern», so die Ausführungen aus dem Jahr 2008.

In Olten scheint die Idee vorzuherrschen, dass gute Ideen immer mit Beton angemischt werden müssen. Eine Begegnungszone mit dem Bau eines Parkhauses zu verknüpfen ist eine davon. Innovative Städte setzen heute auf Parkleitsysteme. Lassen wir die Verantwortlichen im heutigen Stadthaus noch etwas daran arbeiten.

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